Von der Gründung 1902 bis zur Schließung 1933 Kurze Biographie des Reformpädagogen Karsens Leitsätze für eine moderne Pädagogik Ja wat weiß ich was man da Intelligentes schreiben könnt Über die Anfänge des Zweiten Bildungsweges Bruno Tauts Entwurf eines Schulbaus neuer Art

Karsens pädagogisches Konzept

Anhand des fiktiven Titelblattes der damaligen Schülerzeitung der Aufbauschule wird im folgenden Karsens pädagogisches Konzept dargelegt. Auf der zweiten Seite befinden sich Jahresberichte von Schülern, die Karsens Umsetzung veranschaulichen sollen.


Fritz Karsen
LEITSÄTZE ZUM INNEREN UND ÄUßEREN AUFBAU DES SCHULWESENS

1.Wesen der Schule:
Sie ist schlechthin die Lebensstätte der Jugend, beherrscht von ihrem ureigenen Lebensgesetz.
2.Arbeitsschule:
Arbeit bilde und forme den Menschen. Die Schule sei eine Stätte sinnvoller Arbeit, die je nach städtischen oder ländlichen Voraussetzungen (wirtschaftliche Voraussetzungen) tatsächliche Lebensbedürfnisse bestreite.
3.Gemeinschaftsschule:
Das Kind diene der Gemeinschaft, die Gemeinschaft diene dem Kind.
4.Freie Schule:
Die Schule ist Subjekt eigener Lebensäußerungen- sie kann darum nicht anders als unpolitisch und unkirchlich sein.
5.Einheitsschule:
Eine Volksgemeinschaft kennt keine Unterschiede des Standes und Besitzes. Ihre Einheitsschule ist eine einheitliche Kulturveranstaltung vom Kindergarten bis zur Hochschule.
6.Pädagogische Grundforderung:
Die Schule unterbricht nicht das Leben, sie hat es zu erfüllen.
7.Aufbau der Schule

  • völlige Unabhängigkeit des Schul- und Bildungswesens (Selbstverwaltung)
  • alle Schulen, die die Kinder bis zur Hochschule führen bilden eine Schuleinheit - Schülerauslese und Begabtenschulen sind unnötig
  • Schulenrat einer Schulgemeinschaft (Körperschaft aus Lehrern, Schülern und Eltern sowie Vertretern der Gemeinde und Regierung) bestimmt die Grundformen des Schullebens
  • Familie und Gemeinschaftsleben sind keine Gegensätze, sie bereichern, vertiefen und ergänzen einander

  • Sonja Karsen
    DIE FORTSCHRITTLICHE PÄDAGOGIK MEINES VATERS FRITZ KARSEN AN SEINER REFORMSCHULE IN BERLIN- NEUKÖLLN

    [] (Die Schule meines Vaters) folgte zwar dem offiziellen Lehrplan des Provinzialschulkollegiums, aber im Unterschied zu den übrigen höheren Schulen wurde das Pensum anders unterrichtet. []Der Lehrer befand sich inmitten der Schüler, und diese wenig formale Art erleichterte die Arbeit an den jeweiligen Projekten []. Zum Unterricht gehörte auch, dass täglich ein Schüler ein Protokoll über den Unterrichtsverlauf zu verfassen hatte, so dass man genau wusste, was in der Klasse vor sich gegangen war.
    [] Mein Vater war grundsätzlich gegen Auswendiglernen. Er hatte es während seiner Schulzeit oft genug tun müssen und bemerkte häufig: "Das ist eine absolute Zeitvergeudung, dabei lernt man überhaupt gar nichts."
    Besonders interessant war der Werkunterricht, an dem alle Schüler teilnahmen. Dieses Fach existierte damals nur an wenigen anderen höheren Schulen. Wir lernten praktische Dinge wie Buchbinden, wofür wir uns die [] Papiere selbst anfertigten. [] Es war das Ziel meines Vaters, das Intellektuelle mit dem Praktischen im Unterricht zu verbinden. []